Unschärfe ist toll! / by Martin Drobusch

Heute möchte ich mich einem Thema widmen, mit dem man sich als Fotograf/in jeden Tag bewusst oder unbewusst auseinandersetzt.
Es geht um die unscharfen Bereiche im Bild - oft auch als Bokeh oder Freistellungspotential bezeichnet.

Hierfür ist einiges an Basiswissen der Fotografie nicht ganz zu vernachlässigen, hat doch die Blende als auch die Brennweite unmittelbaren Einluss auf die Hintergrundunschärfe. Ein weiterer elementarer Faktor stellt der Aufnahmeabstand sowie die Sensorgröße der Kamera dar.

Um sich also mit dem Thema gestalterisch auseinandersetzen zu können, sollte die Kamera eine Funktion mitbringen um die Blende manuell verstellen zu können. Bei DSLR's und Systemkameras ist das gängige Praxis und auch bei vielen Kompaktkameras findet man diese Möglichkeit, meist gekennzeichnet mit dem Programm-Symbol A (für Aperture=Blende).

Bei Kameras mit Wechselbajonett eignen sich insbesondere lichtstarke Objektive, also jene mit einer möglichst großen Blendenöffnung (kleine f-Zahl, z.b. f 1.4; f1.8...)

Bei Kameras mit APS-C oder gar Kleinbildsensoren kann unter Einsatz entsprechender Objektive und offener Blende der bildscharfe Bereich bis auf wenige Millimeter schrumpfen... das eignet sich etwa wunderbar für Portraits, wenn man Menschen vom Hintergrund abheben möchte oder um bestimmte Details in den Fokus zu rücken. Der Hintergrund geht dann in einen unscharfen Bereich über - der oftmals als auch als "filmisch" bezeichnet wird.

Anbei zwei Bildbeispiele an einer Nikon D700 (FX bzw. Kleinbildsensor) bei 135mm Brennweite und Blende f/3.5.

Wie man sehen kann ist bereits bei diesen Einstellungen nur noch eine sehr kleine Schärfenebene vorhanden - der Vor und Hintergrund geht in einen fließenden Unschärfe-Übergang = Bokeh.


Hat man nun ein Objektiv mit noch größerer Lichtstärke, kann man diesen Effekt weiter beeinflussen. Gleiches gilt für den Objektabstand. Befindet sich das scharf abzubildende Objekt relativ nah an der Kamera, wirkt der Effekt ungleich stärker. Last but not least ist wie Eingangs erwähnt die Brennweite maßgbelich mit verantwortlich für diesen Effekt. Je länger die Brennweite, desto größe der Effekt.

Anbei noch ein paar Beispiele an einer Nikon D700 (FX bzw. Kleinbildsensor) bei 135mm Brennweite und diesmal einer weiter geöffneten Blende von f/2.0 (Offenblende des Objektivs)

Bei den ersten beiden Bildern betrug der Abstand von Kamera zur Person jeweils nur ein paar Schritte... der Baumstamm dagegen war einige Meter entfernt von mir - der Hintergrund ist immer noch sehr unscharf - aber nicht ganz so "smooth" wie bei den anderen Bildern trotz gleicher Blende (f/2.0)

Ich kann daher jedem nur empfehlen sich einmal intensiver mit dem Blendenvorwahlmodus (A) seiner Kamera zu beschäftigen. Ich nutze zu etwa 75% den A-Modus um mit der Blende bewusst gestalten zu können - egal ob an Kompakt, spiegelloser oder DSLR Kamera.