VON POTSDAM NACH ST. PETERSBURG - UND ZURÜCK (TEIL 6 VON 8) by Martin Drobusch

Auf unseren ersten Kilometern zurück in der EU kam gleich ein wenig Wehmut auf - Russland hatte uns wie zu erwarten irgendwie in seinen Bann gezogen... aber die Zeit saß uns weiterhin im Nacken - denn Finnland, Schweden und Dänemark wollten auf der Rückreise in Richtung Deutschland auch noch im Schnellwaschgang bezwungen werden. 

Auf dem Weg über die "alte Königsstraße" E18 in Richtung der finnischen Hauptstadt Helsinki passierten wir noch kurz Porvoo - eine sehenswerte Kleinstadt ca. 50km östlich von Helsinki gelegen. Porvoo wird als malerische "Sommerstadt" Finnlands bezeichnet und ist nach Turku die zweitälteste Stadt des Landes und zeichnet sich insbesondere durch bunte, mittelalterlich anmutende Holzhäuser und enge Gassen bishin zur Altstadt aus.

Anschließend machten wir uns auf nach Helsinki... Da ich die "nordischen" Städte wie Helsinki und Stockholm bereits aus beruflichen Gründen kannte und auch das Wetter zu diesem Zeitpunkt sehr sprunghaft agierte - ist die Bildausbeute in Helsinki nicht ganz so hoch gewesen wie zu anderen Stationen auf unserer Reise...

Ein kleines Highlight war dann noch unsere Überfährt mit der Fähre von Turku in die schwedische Hauptstadt Stockholm - in der uns ebenfalls Regen erwartete. Auf der Fähre dagegen war die Stimmung mehr ausgelassen - auch weil überraschenderweise eine angesagte finnische Rockband an Board war und auf der Bühne einen tollen Auftritt hinlegte. Fans und Besatzung aber auch zufällig Reisende wie wir hatten dadurch noch ein kulturelles Highlight an Board des Schiffes :-)

Potsdam Fotografie - Alter Markt und die Reste der Fachhochschule FHP - Tamron 28-75 f/2.8 RXD by Martin Drobusch

Ein kleiner Rundgang über das Areal am Alten Markt in Potsdam... Noch stehen einige Reste der Fachhochschule (FHP) - aber die Bagger arbeiten sich unermüdlich durch den Beton um das Gelände zwischen Stadtschloss, Fortuna-Portal, Nikolaikirche, Barberini und Platz der Einheit West dem Erdboden gleichzumachen. 

Zum Einsatz kam das neue, für Sony FE gerechnete Standardzoom von Tamron mit dem Brennweitenbereich 28-75mm bei konstanter Blende f/2.8. (siehe Blog-Eintrag vom 05.05.2018)

Es handelt sich um ein optisch wirklich tolles Objektiv das sich bildqualitativ gewiss nicht hinter den Mitbewerbern verstecken muss und es auch mit deutlich teureren Gläsern aufnehmen kann.

Alle Bilder entstanden an der A7rII von Sony bei Offenblende von f/2.8 um die Freistellungsqualitäten und Schärfeleistung weit geöffnet zu testen.... Sie wurden anschließend in Lightroom mit einer meiner Standard-Bearbeitungsketten aus den "RAW-Dateien" entwickelt und auf 1200px Größe für's Web verkleinert. 

 

VON POTSDAM NACH ST. PETERSBURG - UND ZURÜCK (TEIL 5 VON 8) by Martin Drobusch

Nach der ersten Stunde Wartezeit auf Seiten der EU-Außengrenze erhielten wir endlich das "Go" - wir durften das "Bollwerk" der russischen Grenze an der Narva überqueren... allerdings kamen wir nicht weit, denn auf der Brücke die Russland mit der EU verbindet gab es Stau. Erst passierte eine weitere Stunde gefühlt rein gar nichts... So hatten wir Zeit die Aussicht und das schöne Wetter zu genießen und Minuten und Stunden zu zählen. Nur im Schneckentempo ging es anschließend ab und an ein paar Meter vorwärts... Nach insgesamt rund 4 Stunden Wartezeit auf der Brücke tat sich dann was - die Autos wurden plötzlich schneller abgefertigt und auch wir bekamen unseren Slot am Einreise-Checkpoint. Da wir mit dem Privat-PKW einreisten, mussten wir auch entsprechende Dokumente für unser KFZ ausfüllen - leider erhielten wir die Formulare nur in kyrillischer Schrift was sich in der Tat als kompliziert darstellte und uns massiv ausbremste, denn plötzlich sollte es ganz schnell gehen und die Fahrer hinter uns wurden schon ungeduldig.  

Ein junger Mann aus Estland in der Schlange etwas weiter hinter uns erkannte offenbar unser "Dilemma" und eilte uns zur Hilfe - organisierte aus einem anderen Häuschen plötzlich Vordrucke in englischer Sprache und half uns die relevanten Daten in die richtigen Felder einzutragen sodass wir nach Passkontrolle, Visa-Check und Blick in den Kofferraum dann tatsächlich relativ schnell einreisen konnten - immer mit dem seichten Gefühl irgend etwas falsch gemacht zu haben...auch vor dem Hintergrund, das wir Russland an einem anderen Grenzübergang nach Finnland wieder verlassen wollten. 

Sei es drum... wir waren erst einmal "drin" im großen Land - und St. Petersburg - das eigentliche Ziel unserer Reise lag plötzlich in greifbarer Nähe.

Während es durch die Vororte von Petersburg und die neu ausgebauten Autobahnen ging, erreichten wir schließlich unser Hostel direkt im Zentrum am Nevsky Prospekt. Diese Unterkunft haben wir ein paar Tage vor dem Grenzübertritt gebucht - um eine Bestätigung für die Einreise zu haben. Preislich war das Hostel absolut unschlagbar für die Lage - allerdings auch entsprechend "einfach" - aber fußläufig zum Schloßplatz mit der Alexandersäule.

Das Auto haben wir in einer der Nebenstraßen abgestellt und für die nächsten 3 Tage nicht bewegt - freies Parken machte dies möglich, da es keinerlei Parkzonen/Parkuhren gibt... dies bestätigte uns auch ein Mitbewohner unseres Hostels. 

Die Stadt ist bunt, quirlig und voller Touristen - der Großteil selbst kommt dabei aus anderen Teilen Russlands. 

Essen kann man überall sehr gut - angefangen von kleinen "Kantinen" in denen man für absolut kleines Geld große Portionen bekommt bis hin zu sehr schicken und eleganten Restaurants die noch immer bezahlbar sind und den Gaumen als auch die Augen verwöhnen.

Zum fortbewegen empfiehlt es sich ein Metro-Ticket zu besorgen - allein schon um die unterirdisch gelegenen Stationen zu bewundern. Die Stationen sind herausgeputzt und nach großen Persönlichkeiten benannt - da können unsere hiesigen Bahnstationen nicht mithalten. Weiterhin kann man die Stadt auch wunderbar zu Fuß oder über den Wasserweg erkunden.

Da wir in den Städten zuvor meist hohe Gebäude wie Fernsehtürme oder dergleichen aufgesucht haben - begaben wir uns auch auf den Leader-Tower am Leninsky-Prospekt, da wir gelesen hatten das man dort einen tollen Überblick über die Stadt habe. Nach dem Betreten des Gebäudes sprachen wir am Security-Schalter die junge Dame nach unseren Begehren an und wurden abgewiesen, da man das Gebäude offenbar nicht einfach nur so betreten könne nur der Aussicht wegen... etwas enttäuscht wollten wir beinahe abziehen, als uns einfiel offensiv nach dem Restaurant/Bar "Floor 41" zu fragen von dem wir auch gelesen hatten - und plötzlich tat sich was, als wir Interesse bekundeten etwas konsumieren zu wollen :-)  So gelangten wir doch noch ins "Oberdeck" und erhielten Zugang zur eleganten 360° Bar/Restaurant im 41. Stock - absolut empfehlenswert. Und auch hier: Die Preise sind nicht massiv überzogen sondern für uns Westeuropäer noch völlig in Ordnung und bei dem Ambiente absolut fair.

Nach wenigen Tagen hieß es dann jedoch schon wieder: Abschied zu nehmen... unser Zeitplan musste eingehalten werden, Kinder und Familien warteten... also machten wir uns auf zur finnischen Grenze um wieder in die EU einzureisen... Die Ausreise aus Russland und Wiedereinreise in die EU war hier absolut unproblematisch und ging relativ zügig vonstatten. Bedenken die wir bei der Einreise hatten insbesondere in Hinblick auf das eigene KFZ und die damit verbundenen Papiere stellten sich als unnötig heraus. Ein kleiner "QR" Code auf einem der Dokumente den wir bei der Einreise erhielten vereinfachte offenbar den ganzen Prozess. Somit waren wir wieder in der EU - hello Finnland!

 

VON POTSDAM NACH ST. PETERSBURG - UND ZURÜCK (TEIL 4 VON 8) by Martin Drobusch

Mit der vierten Etappe begaben wir uns nun Stück für Stück immer weiter in Richtung Norden zum finnischen Meerbusen und Estlands Hauptstadt "Tallinn"... und darüber hinaus begann nun die wirklich große Frage: Wie wird die Ausreise aus der EU am Grenzfluss Narva ablaufen? Und lässt uns die russische Seite problemlos mit dem privaten PKW einreisen sodass wir unserem Ziel St. Petersburg auch wirklich näher kommen? Oder wird es Probleme geben? Entsprechende Reise-Visa und Versicherungsscheine hatten wir im Vorfeld besorgt.

Da sich mittlerweile die ersten Speicherkarten meiner Kamera füllten (fotografiert wurde im jpg+RAW-Format) - fütterte ich unterwegs immer mal wieder meinen mobilen Fotospeicher um im Falle eines Kartenverlustes oder Kartenfehlers noch ein Backup zu haben. Der Nexto ND2901 hat sich auf der gesamten Reise als wirklich treuer und solider Begleiter herausgestellt und verrichtete seine Arbeit anstandslos und fehlerfrei... durch die "Update"-Funktion werden auch wirklich immer nur neu hinzugefügte Dateien ergänzt - das spart auch Zeit.

Während wir Tallinn dann am Abend in der Dämmerung und im vollen Regen erreichten, zeigte sich die Stadt am nächsten Tag glücklicherweise von einer deutlich freundlicheren Seite. Das Apartment buchten wir mal wieder kurzfristig auf dem Weg, der Wohnungschlüssel wurde diesmal nicht persönlich übergeben sondern in einem kleinen Safe nahe der Wohnung deponiert - etwas ungewöhnlich aber es funktionierte problemlos und wir hatten binnen kürzester Zeit eine Unterkunft in zentraler Lage.

Natürlich mussten wir auch in Tallinn wieder einen Fernsehturm erklimmen - um uns einen Überblick zu verschaffen. Im Inneren kann man eine Ausstellung bewundern und viele interaktive Monitore bedienen - und natürlich die Ausschicht genießen.

Die Altstadt bietet in Hafennähe teils modernen Charme - die Altstadt im Kontrast viele kleine Häuser, Gassen, Türmchen und auch russische Einflüsse lassen sich kaum leugnen. Es lässt sich ganz hervorragend flanieren, staunen und fotografieren.

Wenn der kleine Hunger kommt, bietet Tallinn zudem unzählige Lokalitäten... Neben vielen eher klassischen Restaurants entlang des Rahthausplatzes gibt es auch diverse kleinere und urige Lokale in denen man für wenig Geld sehr ordentliche Portionen bekommen kann... Ein Beispiel dafür ist etwa der "Kompressor" - ein auf Pfannkuchen spezialisiertes Lokal. Der Platz ist beschränkt und die Plätze entsprechend gut belegt. Bestellt wird ganz hip direkt an der Kasse, geliefert wird dann an den Platz... und die Portionen haben es in sich. Neben süßen Pfannkuchen und kleineren Vorspeisen gibt es vor allen Dingen riesige herzhafte Pfannkuchen - gefüllt mit z.b. Hünchen, Pilzen oder auch Schrimps, Thunfisch usw... Bei Preisen um 5€ pro Portion kann man hier rein gar nichts falsch machen. Es schmeckt wunderbar und danach verspürt man einen enormen Bewegungsdrang - ideal also um Kraft zu tanken und sich dann weiter zu Fuß durch die Stadt zu bewegen. Zum nachspülen gibt es auch in Tallinn einen "eigenen" Likör - den Vana Tallinn mit satten 40%.... geschmacklich gewiss nicht jedermanns Sache und auch mich konnte er nicht vollends überzeugen - aber lokale Spezialitäten muss man halt einfach ausprobieren!

Am nächsten Morgen ging es dann Richtung EU-Außengrenze... Wie genau die Ausreise abläuft wussten wir im Vorfeld nicht eindeutig... angeblich müsse man sich im Vorfeld über ein neues elektronisches System Namens GoSwift anmelden... leider waren jedoch bereits 2 Tage vorher - als wir einen "Slot" buchen wollte alle Plätze belegt..  was also tun? Auf Gut Glück zur Grenze fahren oder 2 Tage länger in Estland bleiben bis wir einen Slot bekommen? Wir versuchten ersteres und fuhren auf gut Glück 'gen Osten....

Auf dem Weg von Tallinn zur Grenze versuchten wir es dann noch einmal per Smartphone und buchten nun einen Platz in der s.g. "Live Queue"... zu diesem Zeitpunkt wussten wir jedoch nicht ob und vor allen DIngen was uns diese Variante bringt - auch weil jeweils ein Zeitlimit von 60min angegeben wurde, unsere Fahrzeit zur Grenze aber erheblich länger gewesen ist. Da diese Buchung aber nur 1,50€ kostete - probierten wir es einfach mal.

Angekommen in der Grenzregion Narva mussten wir uns erst einmal zurechtfinden... so fuhren wir einmal bis zur Grenze vor - stellten jedoch fest das wir so nicht weiterkommen und wohl tatsächlich die entsprechend ausgeschilderten "Warteplätze" wenige km vor der Grenze ansteuern müssen. Dort angekommen waren wir etwas ratlos und ich machte mich auf ein paar Camper aus Österreich anzusprechen, während meine Freunde versuchten die russischen Informationstafeln zu übersetzen...  Laut Auskunft der Camping-Freunde mit ihren Wohnmobilen müssten wir uns einen Slot am ersten Häuschen für 1,50€ buchen um eine Wartenummer zu bekommen... Sie standen schon über 3 Stunden auf dem Parkplatz und warteten auf den Aufruf ihrer Wartenummern... das klang natürlich wenig vielversprechend...

Während mir die freundlichen Rentner dies erläuterten, erblickte ich im Hintergrund einige Anzeigetafeln auf denen diverse Kennzeichen und Reservierungsnummern durchtickerten.... und plötzlich tauchte dort auch unser Kennzeichen auf - offenbar hatten wir mit der "Slot-Bestellung" in der Live-Queue für 1,50€ per Handy einiges richtig gemacht und konnten entsprechend direkt zum letzten Häuschen vor der Ausgangs-Schranke um den ein oder anderen Stempel und Strichcode zu bekommen und durften dann direkt wieder in Richtung Grenze fahren und uns dort anstellen. Bis dahin lief also alles bestens - keine Wartezeiten auf sinnlosen Parkplätzen....  Innerhalb weniger Minuten durften wir in den Grenzbereich der EU-Außengrenze von Estland einfahren - und folgten den Anweisungen der Beamten. Nachdem das Auto und der Inhalt nur augenscheinlich in Blick genommen wurden und auch unsere Papiere keinen Grund zur Beanstandung gaben, hätten wir eigentlich in den Bereich zwischen beiden Staaten, die Brücke über den Fluss Narva - die der Region Ihren Namen gibt, einfahren dürfen.

Doch daraus wurde erst einmal nichts... laut Aussage des estnischen Beamten gäbe es Probleme auf russischer Seite - daher begann nun die erste Stunde Wartezeit. Und dabei sollte es nicht bleiben...